Buchprojekt 'Musik – Archiv – Geschichte'

Grafik 'Buchprojekt'

Liturgische Choralfragmente aus dem Basler Staatsarchiv

Am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Basel wird ein Buchprojekt zu liturgischen Choralfragmenten im Rahmen mehrerer Lehrveranstaltungen mit der Beteiligung der Studierenden durchgeführt. Aus der Erfahrung mit diesen historischen Objekten und den Orten, an denen diese Archivalien aufbewahrt werden, ist die Idee hervorgegangen, ein Projekt durchzuführen, das diese Materialien für eine breitere Öffentlichkeit in innovativer Weise zugänglich macht.

Das Buchprojekt ist im Sinne eines «Photobooks» mit wissenschaftlichem und öffentlichkeitswirksamem Anspruch konzipiert. Sein Gegenstand sind die mittelalterlichen Fragmente, die aus Handschriften des 11.–15. Jahrhunderts stammen und die in der Nachreformationszeit zu Einbänden von Rechnungsbüchern umfunktioniert wurden.

Als Zustand zwischen Aufbewahrung und Vernichtung bieten die Choralfragmente den idealen Ausgangspunkt, um über die Fragilität und zugleich Bestandhaftigkeit von Dingen, über zerstörerische Gewalt, Indifferenz sowie Wertschätzung und Wertverschiebungen im Laufe der Geschichte nachzudenken. Im Sinne eines «Recycling»-Aktes wurden Handschriften, die einst Träger von sakrosankten Gesängen waren, dank der robusten Konstitution ihres Materials als Buchschutz wiederverwendet. Die Dialektik zwischen Aufbewahrung und Vernichtung von historischem Material, die Verschiebung der Wertschätzung geschichtlicher Dokumente bilden die inhaltlichen Schwerpunkte des Buchkonzepts.

Die historischen Archivmaterialien fügen sich in sehr unterschiedliche Gebrauchskontexte und stehen zum Teil in einem völlig entfremdeten Kontext, sie nehmen im Laufe der Geschichte vielfältige Funktionen an: Durch ihre eigene Materialität bezeugen die hier präsentierten – und inszenierten – Fragmente einen besonderen Umgang mit Geschichte.

Das Buchprojekt ist Gegenstand zweier Lehrveranstaltungen am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Basel (Frühjahrsemester 2012 – Herbstsemester 2013).

Projektleiter:
Matteo Nanni