Vorträge MWS FS 2017

Alle Vorträge finden im Vortragssaal des Musikwissenschaftlichen Seminars statt.

Wenn nicht anders angegeben, beginnen die Vorträge jeweils um 18.15 Uhr.

9. Mai 2017 – Siegfried Mauser

Weberns Variationen op. 27 und Klaviermusik der Wieder Schule

Die Klaviermusik im Oeuvre der Hauptvertreter der zweiten Wiener Schule nimmt zwar quantitativ keinen breiten Raum ein, dennoch markieren einzelne Werke wesentliche entwicklungsgeschichtliche Umbrüche. Unter diesem Aspekt sollen Arnold Schönbergs Klavierstücke op. 11, op. 19 und op. 33 a und die Webernschen Klaviervariationen op. 27 gespielt und theoretisch interpretiert, sowie in einen größeren historischen Kontext gestellt werden.

 

Siegfried Mauser (*1954) studierte Klavier, Musikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte in München und Salzburg, wo er sich 1981 promovierte. 1982 wurde er bereits an die Staatliche Hochschule für Musik Würzburg berufen. Später grundete er an der Universität Mozarteum Salzburg ein «Forschungsinstitut für musikalische Hermeneutik». Neben verschiedenen Lehraufträgen und Professuren stand er von 2003 bis 2014 der Münchner Hochschule für Musik und Theater und von 2014 bis 2016 der Universität Mozarteum Salzburg als Rektor vor.

Er ist weiterhin als Konzertpianist aktiv und hat in dieser Tätigkeit unter anderem mit den Dirigenten Péter Eötvös, Johannes Kalitzke, Kent Nagano und Jonathan Stockhammer und den InstrumentalistInnen Tabea Zimmermann, Jörg Widmann und Thomas Zehetmair. Des Weiteren hat er zahlreiche Werke unter anderem von Wolfgang Rihm, Hans Werner Henze und Jörg Widmann zur Uraufführung gebracht.

Als Musikwissenschaftler verfasste er zahlreiche Veröffentlichungen zu den Themen musikalischen Analyse, Musikästhetik und Musikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und ist u.a. Herausgeber des «Handbuchs der musikalischen Gattungen».

23. Mai 2017 – Andrea F. Bohlman

Lutostawskis politische Refrains

Dieser Vortrag untersucht am Beispiel Witold Lutosławski das Verhältnis zwischen Komponisten und den politischen Bewegungen ihrer Gegenwart. Während die «Solidarność» Bewegung gegen die kommunistische Partei Polens in den frühen 1980er Jahren an Zugkraft gewann, versuchte die polnische Gesellschaft und Lutosławskis internationales Publikum immer mehr die Stimme des prominenten Komponisten in der zentralen Diskurs über demokratische Wertvorstellungen und bürgerliche Gesellschaft zu stellen. Viele Kritiker, Musikwissenschaftler und Aktivisten analysierten und feierten Lutosławskis Dritte Sinfonie (1983) für ihre explizite politische Aussage. Der Komponist selber aber weigerte sich, sich überhaupt mit der Bewegung auseinander zu setzen und sprach nur selten über die politischen Umstände. Mit einer ethnographischen Sensibilität setze ich im Vortrag die Rezensionsgeschichte der Sinfonie in Beziehung mit Lutosławskis «Performance» der Solidarität mit der polnischen Opposition in öffentliche Interviews und privaten Gesprächen. Ich vertrete die Position, dass sein Verhältnis zur Politik mehr ein Produkt seiner sozialen Netzwerken und seiner Selbstdarstellung als Künstler war, als ein Produkt eines Impuls einen Regimewechsel zu bewirken.

 

Andrea F. Bohlman is Assistant Professor of Music at the University of North Carolina at Chapel Hill and, for the 2016–17 academic year, a fellow at the Wissenschaftskolleg zu Berlin. She is completing a monograph on the stakes of music for the Solidarity movement in Poland and has published on music and protest (in the Journal of Musicology) and on amateur recording and materiality (forthcoming in Twentieth- Century Music). Her work incorporates tools from sound and media studies with an integrative approach to ethnographic method and archival work. She is deeply invested in exploring the diverse musics that permeate musical cultures past and present, whether these are popular, sacred, art, or experimental. This interest in listening across and beyond boundaries is integral to her work on music and social movements, amateur sound media, and song festivals, for example.