Vorträge MWS FS 2014

Alle Vorträge, mit Ausnahme des Vortrags von Christiane Wiesenfeldt (eikones-Forum, Rheinsprung 11, 4051 Basel), finden im Vortragssaal des Musikwissenschaftlichen Seminars statt.

Wenn nicht anders angegeben, beginnen die Vorträge jeweils um 18.15 Uhr.

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9. April 2014 - Christiane Wiesenfeldt (Weimar)

Christiane Wiesenfeldt

Moving Music – Musik in Bewegung. Musik in Prozessionsritualen der Frühen Neuzeit

eikones-Vortrag

Dass sich Musik ebenso in Raum und Zeit bewegt, wie sie ihren Hörer bewegen kann, ist eine Binsenweisheit. Insbesondere im Ritual der Prozession verschmelzen jedoch beide Aspekte zu einem untrennbaren Erlebnis: Der Mensch schreitet im Takt der Musik eine festgelegte Strecke ab und erlebt dabei seine innere Bewegung im Einklang mit der äußeren. In dieser Intensivierung und Transzendenz liegt die Beliebtheit von Prozessionen in beinahe allen Weltkulturen und Religionen begründet. Nicht selten vermutete man hierin auch Gefahren, denn Prozessionen waren stets kommunikative Ereignisse, die symbolische und unmittelbare Macht besitzen. Dies stand auch im späten 15. und 16. Jahrhundert immer wieder zur Diskussion. Welche Rolle die Musik in diesen Medien und Diskursen der Frühen Neuzeit spielte, gilt es im Vortrag beispielhaft zu beleuchten und ihre «bewegende» Mittlerfunktion zu erhellen.

Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt studierte Musikwissenschaft, Pädagogik und Psychologie an der Universität Kiel und promovierte dort 2005 mit einer Arbeit zur Cellosonate im 19. Jahrhundert. Von 2003–2009 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Brahms-Institut der Musikhochschule Lübeck sowie von 2009–2011 am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Münster. Ihre Habilitation erfolgte 2011 in Münster bei Jürgen Heidrich mit einer Arbeit zur Marienmesse im 16. Jahrhundert. Seit Oktober 2012 hat Christiane Wiesenfeldt den Lehrstuhl für Historische Musikwissenschaft am gemeinsamen Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena inne. Gleichzeitig ist sie ordentliches Mitglied in der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt sowie Kuratoriumsmitglied des Max-Reger-Instituts. Desweiteren wirkt sie als Gründerin und Schriftleiterin des musikwissenschaftlichen Fachmagazins «Die Tonkunst».

Bilder des Vortrags

14. Mai 2014 - Lars E. Laubhold (Salzburg)

Lars E. Laubhold

Von Nikisch bis Norrington. Beethovens 5. Sinfonie auf Tonträger.

Seit mit der ersten Gesamteinspielung von Beethovens 5. Sinfonie zugleich die überhaupt erste Tonaufnahme einer vollständigen Sinfonie erfolgte, hat ein Jahrhundert technischer Entwicklungen die medialen Voraussetzungen für das Musikerleben radikal verändert. Doch wie hat sich seither die musikalische Interpretation entwickelt? Hat sie eine eigene «Geschichte»? Anhand von ca. 130 Aufnahmen dieses Werks von den Anfängen bis in die jüngste Vergangenheit wird versucht, hörend und mithilfe computergestützter Analyseverfahren der Vergangenheit medial dokumentierter Aufführungspraxis nachzuspüren und den Wandlungsprozess greifbar zu machen, der unsere Rezeptionsweisen und insbesondere das musikalische Zeiterleben über 100 Jahre nachhaltig verändert hat.

Dr. Lars E. Laubhold ist nach Tätigkeiten als Instrumentenmacher und Restaurator heute Musikforscher in Salzburg. 2001–2005 war er freier Mitarbeiter am Forschungsinstitut für Salzburger Musikgeschichte, wo er für Koordination und Redaktion der neuen Salzburger Musikgeschichte (Salzburg 2005) verantwortlich war. Als Gründungsmitglied der RISM-Arbeitsgruppe Salzburg seit 2007 in einem Projekt zur Erforschung des Musikrepertoires am Salzburger Dom im 18. und 19. Jahrhundert engagiert, hat er als Autor und Herausgeber regelmäßig zu diesem Themenkreis publiziert. Daneben gab er 2008 gemeinsam mit Jürg Stenzl den Tagungsband zum Salzburger Karajan-Symposium heraus. Mit der Studie «Von Nikisch bis Norrington: Beethovens 5. Sinfonie auf Tonträger» promovierte er 2013 an der Universität Salzburg.

Bilder des Vortrags

20. Mai 2014 - Christian Martin Schmidt (Berlin)

Christian Martin Schmidt

Hilft die Reihenanalyse bei der Edition von Zwölftonwerken Weberns?

Anton-Webern-Vortrag

Die Anton-Webern-Vorträge sind eine in lockerer Folge stattfindende Vortragsreihe mit Beiträgen international renommierter MusikwissenschaftlerInnen zu Anton Webern und seinem Umfeld. Die Vorträge richten sich gleichermassen an WissenschaftlerInnen, Studierende und Musikinteressierte. Die am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Basel entstehende Anton Webern Gesamtausgabe freut sich sehr, in diesem Frühjahr den langjährigen Schönberg-Herausgeber und Wiener-Schule-Experten Christian Martin Schmidt als Redner begrüssen zu dürfen. Im Anschluss an den Vortrag sind alle Zuhörer zu einem kleinen Apéro eingeladen.

Prof. Dr. Christian Martin Schmidt studierte ab 1963 Musikwissenschaft, Geschichte und Latein an der Universität Hamburg und Tübingen. 1965 schloss er sein Diplom-Orgelstudium an der École normale de musique in Paris ab. An der Freien Universität in Berlin promovierte er zur Musik Johannes Brahms'. Seine weitere wissenschaftliche Karriere führte Schmidt zur Edition zahlreicher Werke bei der Arnold Schönberg Gesamtausgabe in Berlin. Schönberg blieb er auch in seiner 1985 abgeschlossenen Habilitationsarbeit zu Moses und Aron treu. In Berlin wurde er Nachfolger von Carl Dahlhaus am Lehrstuhl für Musikgeschichte der TU. Seit den frühen 1990er Jahren ist Schmidt Projektleiter der Leipziger Werkausgabe Mendelssohn Bartholdys.