Vorträge MWS HS 2013

Alle Vorträge finden im Vortragssaal des Musikwissenschaftlichen Seminars statt.

Wenn nicht anders angegeben, beginnen die Vorträge jeweils um 18.15 Uhr.

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13. November 2013 - Gernot Gruber (Wien)

Gernot Gruber

Probleme einer «Kleinen Geschichte der europäischen Musik»

Beim Planen und Schreiben einer «Kleinen Geschichte der europäischen Musik» müssen die bekannten Schwierigkeiten einer Historiographie auf irgendeine Weise bewältigt werden. Was heißt hier «Erzählen»? Nach welchen Gesichtspunkten und Vorentscheidungen kann die Unmenge an Material ausgewählt und geordnet werden? Wie kann ein Grundraster aussehen, sind Leitlinien oder Leitdifferenzen streng durchzuhalten und wie sind historische Phasen jeweils an grundsätzliche Entscheidungen anzupassen? Was ist das «Europäische» in der Geschichte der Kultur und speziell der Musik? Ein von solchen Fragen betroffener Autor legt seine Ansichten dar und konkretisiert seine Entscheidungsfindung am Beispiel der letzten 100 Jahre «europäischer Musikgeschichte».

Prof. Dr. Dr. h. c. Gernot Gruber promovierte 1964 in Graz, seine Habilitation erfolgte 1973 in Wien. Zwischen 1976–95 hatte er eine Professur an der Musikhochschule München inne; ab 1995 war er als Professor an der Universität Wien tätig, bis er 2008 emeritierte. Seit 1993 ist Gernot Gruber Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften; von 2006 bis 2012 war er Obmann der Kommission für Musikforschung. Im Oktober 2011 wurde er zum Dr. h. c. der Hochschule für Musik und Theater in München ernannt. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Musikgeschichte Österreichs, W. A. Mozart, Musik der Wiener Klassik, Schubert, Hermeneutik, Geschichte des Komponierens und der theoretischen Interpretation von Musik, Wechselbeziehung Literatur und Musik.

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20. November 2013 - Hans Rudolf Vaget (Northampton, MA)

Hans Rudolf Vaget

Thomas Mann und Arnold Schönberg: die Dodekaphonie und die deutsche Katastrophe. Neue Aspekte der Musikthematik des Doktor Faustus.

Der Streit Arnold Schönbergs mit Thomas Mann wegen dessen Verwendung der Zwölftonmusik in seinem Musik- und Deutschlandroman Doktor Faustus ist eine der denkwürdigsten Episoden der deutschen Geistesgeschichte. Der Vortrag bietet eine Neubetrachtung dieser viel diskutierten Problematik im Lichte der erst jüngst bekannt gewordenen Zeugnisse der Schönberg-Mann-Beziehung vor dem Doktor Faustus.

Prof. Dr. Hans Rudolf Vaget studierte in München und Tübingen, an der University of Wales in Cardiff und an der Columbia University, New York. Er ist emeritierter Professor of German Studies and Comparative Literature am Smith College in Northampton, Massachusetts, wo er, nach seiner Promotion an der Columbia University, von 1967–2004 lehrte. Gastprofessuren hatte er an der University of California, Irvine; Columbia University, New York; Princeton University; Yale University; Middlebury College und der Universität Hamburg inne. Vaget ist Mitbegründer der Goethe Society of North America, als deren Präsident er von 2001–2004 fungierte, und er ist Mitherausgeber der Großen Kommentierten Frankfurter Ausgabe der Werke, Briefe und Tagebücher Thomas Manns. Des Weiteren wirkt er als Mitbegründer und Mitherausgeber von wagnerspectrum, einer internationalen Zeitschrift für Wagner-Studien.

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4. Dezember 2013 - Dorit Tanay (Tel Aviv, Israel)

Dorit Tanay

Marchetto da Padua and the Making of the Modern Composer

The question of the birth of the modern author has been a focal theme in recent Dantesque and Petrarchian studies. These two seminal figures are known for their radical transfiguration of the medieval notion of auctor and auctoritates. In my presentation I will focus on the Italian music theory of Marchetto da Padua and propose that his own «local» context of Dante’s and Petrarch’s deliberations about language and poetic expression may shed light on the peculiarities of the Italian style of writing rhythmically measured music. To delve deeper into the roots of the Italian mode of writing music, Italian cultural/intellectual history will be compared to the French intellectual tradition in order to account for the fundamental differences yet also similarities between the Italian and French systems of writing rhythms. Reading Marchetto’s musical theory through the prism of contemporary Italian literary culture makes possible to endow Marchetto with the title of the «Maker of the Proto-Modern Composer».

Prof. Dr. Dorit Tanay graduierte als Pianistin an der Rubin Music Academy in Jerusalem und studierte anschliessend Musikwissenschaft und Geschichte an der Tel Aviv University. Ihr Ph.D-Studium schloss sie in Musikwissenschaft und Mediävistik an der University of California, Berkeley mit einer Dissertation über Music in the Age of Ockham: The interrelations between Music Mathematics and Philosophy in the 13th and 14th Centuries, welche 1999 als Monographie Noting Music Marking Culture: The Intellectual Context of Rhythmic Notation, 1250-1400 erschien. Seit 1987 ist sie Mitglied des Musikwissenschaftlichen Departements der Tel Aviv University. Derzeit arbeitet sie über Writing Music in the Age of Dante and Petrarch: The Interrelation between Music, Rhetoric, Grammar, Poetry and Literature.

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