25. Oktober 2015 – Prof. Dr. Markus Böggemann (Kassel)

Höhenlinien. Ernst Kreneks imaginäre Geographie

Wer reist, bewegt sich im Raum. Und wer, wie Ernst Krenek in seinem Reisebuch aus den österreichischen Alpen, mit künstlerisch-musikalischen Mitteln eine Reise reflektiert, der (re-)konstruiert die in dieser Bewegung durchmessenen Räume, stellt sie sich und anderen vor. Geographie ist dabei nicht länger eine Sache von Winkelmass und Messtischblatt, sondern Produkt der Imagination und integraler Teil des Kunstwerks. Kreneks Liederzyklus entwirft durch Text und Musik eine Landschaft, die in ihrem Profil, in ihrer Ausdehnung und im Verlauf ihrer Höhenlinien sich zu erkunden lohnt.

20:00: Liederzyklus "Reisebuch aus den österreichischen Alpen"

Mit Florian Boesch (Bassbariton), Roger Vignoles (Klavier)

Szenische Installation "ZeitLoope": Nives Widauer

Programm: Ernst Krenek (1900–1991): Liederzyklus aus den österreichischen Alpen"

Prof. DR. Markus Böggemann studierte Schulmusik, Musikwissenschaft, Geschichte und Philosophie, promovierte über Arnold Schönberg, lehrte u.a. in Berlin, London und Göttingen. Derzeit ist er Professor für historische Musikwissenschaft an der Universität Kassel. Er forscht und publiziert vor allem zur Musik des 19. und 20. Jahrhunderts und zur zeitgenössischen Musik. 

Kolloquiumsvortrag: 18. November 2015 – Prof. Dr. Edgar Landgraf

Improvisation als Kunst. Theoretische und historische Perspektiven

Am 18. November 2015 um 14:15 Uhr findet im Rahmen des Forschungskolloquiums ein Vortrag mit anschliessender Diskussion von Prof. Dr. Edgar Landgraf zum Thema "Improvisation als Kunst. Theoretische und historische Perspektiven" statt.

Edgar Landgraf ist Professor für Deutsch an der Bowling Green State University in Ohio (USA) und Autor des Buches "Improvisaton as Art: Conceptual Challenges, Historical Perspectives" (2011).

 

 

26. November 2015 – Prof. Dr. Katelijne Schiltz

Ambiguität und Transformation: Musikalische Rätsel in der Frühen Neuzeit

Ähnlich wie literarische Rätsel spielt das musikalische Rätsel mit Ambiguität: Nichts ist so, wie es scheint, und die Notation hat stets mehr als eine Bedeutung. Transformation ist dabei eine Grundvoraussetzung. Denn das Geschriebene lässt sich nicht ohne Weiteres performativ umsetzen, sondern es muss immer einer Veränderung unterzogen werden, auf die der Komponist mittels einer kodierten (oft der Bibel oder antiken Texten entnommenen) Überschrift und/oder durch ikonographisches Material hinweist. Mal wird der Aufführende dazu aufgefordert, die Melodie rückwärts oder gespiegelt zu singen, mal soll er die Notenwerte und/oder deren Reihenfolge ändern; dann wieder gilt es, bestimmte Noten aufgrund ihrer Tonhöhe, Farbe oder Form wegzulassen, auszuwählen, zu substituieren oder gar gänzlich neu hinzuzufügen – und in vielen Fällen wird die notierte Musik dadurch kommplett unkenntlich gemacht. In ihrem Vortrag wird sie die kulturhistorischen, kompositorischen, notationstechnischen, performativen und auditiven Aspekte der frühneuzeitlichen musikalischen Rätselkultur beleuchten und sich somit auf ein Zeitlalter konzentrieren, das einige der raffiniertesten und anspruchsvollsten Rätsel hervorgebracht hat.

Prof. Dr. Katelijne Schiltz studierte Musikwissenschaft an der Universität Leuven (Belgien) und Early Music an der Hochschule Tilburg (Niederlande). 2001–2007 war sie Stipendiatin des FWO-Vlaanderen, 2008–2010 des LMUexcellent-Ideenfonds. Seit 2013 ist sie Professorin am Institut für Musikwissenschaft der Universität Regensburg. 2003 erschien ihr Buch über das Motettenschaffen Adrian Willaerts (Leuven University Press), 2015 die Monographie Music and Riddle Culture in the Renaissance (Cambridge University Press). Sie ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Analysis in Context und Épitome musical. Schwerpunkte ihrer Forschung sind die Musik im Venedig des Cinquecento, musikalische Rätsel, die Rezeption Alter Musik im 20. Jahrhundert sowie die Intermedialität von Musik, Text und Bild.